Gesetzgebungsvorschläge: EU-Parlamentsmonitor

Aktuelle Gesetzgebungsvorschläge, Verfahrensverfolgung und Pipeline-Status im Europäischen Parlament

Während das Europäische Parlament in das zweite Jahr seiner zehnten Legislaturperiode eintritt, zeigt die Gesetzgebungspipeline der Institution ein Parlament im strategischen Wandel. Die Analyse der Ausschusstätigkeitsdaten aus dem offenen Datenportal des Europäischen Parlaments zeigt einen maßvollen, aber zielgerichteten Ansatz für neue Gesetzgebungsvorschläge. Fünf große Politikbereiche — Umwelt, Industrie, Bürgerrechte, digitale Regulierung und Binnenmarktreform — prägen die Gesetzgebungsprioritäten für 2026.

Aktuelle Gesetzgebungsvorschläge

Umwelt- und Klimapolitik: Das Portfolio des ENVI-Ausschusses

Aktiv — 5 Gesetzgebungsdossiers Februar 2026

Der Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) bearbeitet fünf aktive Gesetzgebungsdossiers und hat 15 Dokumente erstellt sowie 10 Sitzungen im aktuellen Bewertungszeitraum abgehalten. Zwei Ausschussberichte wurden mit 40 bearbeiteten Änderungsanträgen angenommen, was eine Annahmequote von 51 Prozent ergibt. Die Gesetzgebungsleistung des Ausschusses liegt bei 0,5 Berichten pro Monat, mit einer Erfolgsquote bei Änderungsanträgen von 40 Prozent. Vorschläge im Zuständigkeitsbereich des ENVI umfassen Überarbeitungen der Luftqualitätsstandards im Rahmen des europäischen Green Deal, Aktualisierungen des EU-Emissionshandelssystems und neue Vorschriften zur Verpackungsabfallreduzierung.

Industrie, Forschung und Energie: Digitale und grüne Transformation

Aktiv — Ausschussphase Februar 2026

Der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) bearbeitet Gesetzgebungsvorschläge zur doppelten digitalen und grünen Transformation. Aktuelle Dossiers umfassen die Überprüfung der Umsetzung des europäischen Chip-Gesetzes, neue Ausbauziele für erneuerbare Energien und Vorschläge für einen europäischen Rahmen für kritische Rohstoffe.

Bürgerliche Freiheiten: Prioritäten des LIBE-Ausschusses

Aktiv — In Prüfung Februar 2026

Der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) setzt die Arbeit an Vorschlägen zur Umsetzung des Migrations- und Asylpakts, Reformen des Schengener Grenzkodex und neuer Gesetzgebung zur KI-Überwachung in der Strafverfolgung fort.

Binnenmarkt: Verbraucherschutzportfolio des IMCO-Ausschusses

Aktiv — Ausschussphase Februar 2026

Der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) prüft Vorschläge zur Stärkung der Verbraucherrechte im digitalen Binnenmarkt, einschließlich Aktualisierungen der Produktsicherheitsvorschriften und neuer Transparenzregeln für digitale Dienste.

Überblick über die Gesetzgebungspipeline

Die aktuelle Pipeline zeigt ein Parlament in einer organisatorischen Konsolidierungsphase. Schlüsselindikatoren:

  • Aktive Gesetzgebungsdossiers: Mehrere Dossiers in der Ausschussphase bei ENVI, ITRE, LIBE und IMCO
  • Annahmequote für Ausschussberichte: 51 Prozent der bearbeiteten Änderungsanträge
  • Durchschnittliche Anwesenheitsquote: Etwa 61 Prozent in Ausschusssitzungen

Politische Gruppendynamik

Die fünf größten Fraktionen — EPP, S&D, Renew, Greens/EFA und ECR — zeigen eine Abstimmungsdisziplin von etwa 77 Prozent bei Anwesenheitsquoten von rund 88 Prozent. Der parlamentarische Gleichgewichtswert von 0,8 deutet darauf hin, dass kein einzelner Block die Gesetzgebungsagenda dominiert.

Auswirkungen auf Interessengruppen

Die aktuelle Gesetzgebungsagenda hat Auswirkungen auf mehrere Sektoren. Umwelt- und Klimavorschläge betreffen direkt energieintensive Industrien, die Landwirtschaft und den Verkehrssektor. Vorschläge zur digitalen Regulierung betreffen Technologieunternehmen und Verbraucher in allen Mitgliedstaaten. Verbraucherschutzvorschläge unter IMCO zielen darauf ab, den Schutz auf digitalen Marktplätzen zu stärken.

Was als Nächstes geschieht

Der Gesetzgebungskalender für 2026 wird voraussichtlich in den kommenden Monaten an Fahrt gewinnen. Wichtige Meilensteine: Ausschussabstimmungen zum ENVI-Umweltpaket in der Frühjahrssitzung, ITRE-Positionen zu Energie und digitaler Wettbewerbsfähigkeit bis Mitte des Jahres und LIBE-Fortschritte bei Migrations- und KI-Governance-Dossiers. Das ordentliche Gesetzgebungsverfahren (COD) bleibt die primäre Entscheidungsmethode. Trilogverhandlungen werden für mehrere hochkarätige Dossiers in der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet.